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Aufklärung, die: geboren ? / getauft 1783 / gestorben?

Der Austausch mit Christoph spinnt sich fort. Meine Antwort(en) auf Christophs Antwort(en):

- "Broder globalisierungsskeptisch? Ein Mitglied von Attac? Das wäre mir neu. Traditionsorientierte Haltung? Auf jeden Fall! Und zwar in der Tradition der Aufklärung und der Freiheit."

Sicherlich ist er in meinen Augen globalisierungsskeptisch. Seine Kritik, wie auch Giordanos, ist offen eurozentrisch. Globalisierung findet für sie statt - allerdings nicht (mehr) in Europa. Wir sind die bereits Zivilisierten, Aufgeklärten, Demokratisierten. Die Menschenzuströme, die sie beklagen, sind für sie ein unwillkommener Kollateraleffekt, dessen Bewältigung (inzwischen gar: Beseitigung) sie schnellstmöglichst umgesetzt sehen möchten. Was mich besonders wütend macht, ist die Geschichtsverdrossenheit der beiden "in der Tradition der Aufklärung" stehenden Herren: Sobald wir einer Gesellschaftsgruppe fehlende Fähigkeiten und mangelnden Willen unterstellen, sind wir bereits erneut einem veralteten Denken verfallen, das Kolonialismus und Imperialismus begleitet hat. Huntingtons Clash of Cililizations ist nichts anderes als eine modernisierte Aufarbeitung der "mission civilisatrice", eine Neuformulierung der schon vor zweihundert Jahren empfundenen Last des verantwortungsvollen weißen Mannes ("the white man's burden"). Du berufst Dich auf die europäische Geschichte und schreibst: "Ich meine, dass extremistisch eingestellte Minderheiten ein größeres Problem sind als eine politisch wenig engagierte Mehrheit." Verständlich, aber meines Erachtens nach verkürzt gedacht. Es dürfte Dir nicht entgangen sein: Wenn eine Mehrheit ein Problem mit einer Minderheit hat, dann liegt das selten an der Minderheit. Und ich bezweifele sehr stark, dass der Generalvorwurf an Muslime, sie seien integrationsunfähig und -unwillig, aus diesem Muster herausfällt.

- Natürlich hast Du recht: Ich messe diese Demokratie an Idealen. Diese "dialektische Demokratie" hat es nicht gegeben, und auch heute glänzt sie durch ihr gänzliches Fehlen. Deinen Mangel an Vision aber teile ich nicht. Idealismus ist etwas, das die Europäer mit dem Ende der Französischen Revolution aufgegeben haben. Wer seither mehr fordert, ist kindlicher Idealist und radikal (=Anarchist). Warum? Meine Vermutung: Demokratie und Kapitalismus sind unvereinbar. Vielleicht gelingt es mir demnächst, mir meine Gedanken genauer auszuformulieren - wenn Du magst.

- Zur Einbürgerungsoption meiner Mutter: Natürlich besteht sie. Macht sie den Unterschied? Das eine Dokument für ein anderes eintauschen? Auch hier frage ich wieder grundsätzlich: Macht sie ein Pass zur Deutschen? Und, was nicht das gleiche ist: Macht sie ein Pass zur Wahlberechtigten? Macht mich mein deutscher Pass zum Deutschen, wo ich mich doch auch zwei weitere Staatsbürgerschaften berufen kann?

- Ich möchte nochmal den Vorwurf aufgreifen, Integration sei von der Mehrheit gefordert, aber nicht entgegenkommend unterstützt worden. Über Deinen berechtigten Hinweis auf die Arbeit einer gesellschaftsengagierten Minderheit brauchen wir nicht diskutieren; hier sind wir uns mehr als einig. Ich will vielmehr das Denken einer - zugeben: von meiner Seite idealtypisierten - ausschließlich medial gelenkten Mehrheit hinterfragen. Mich interessieren einzelne Worte, die oftmals mehr vermitteln als die vielen guten, ausführlichen Hintergrundberichte im Spätprogramm der Öffentlich-Rechtlichen. Nehmen wir als Beispiel die Bezeichnung "Gastarbeiter". Es wandert ein, arbeitet in Deutschland, weil es an Arbeitskräften mangelt, bleibt aber erklärtermaßen "Gast". Zu Besuch. Sein Aufenthalt ist vorläufig; seine Rückkehr, wird vermutet, ist absehbar. Für seine mehrheitlich gering qualifizierte Tätigkeit [1] werden ihm kaum Deutschkenntnisse abverlangt, und keine Rechte angeboten - Gesellschaftliche Mitsprache? Keinesfalls.

Soweit für mich noch nachvollziehbar. Was aber wird aus seinen Kindern, seiner Familie, wenn sie nachzieht und der Nachwuchs hier sozialisiert wird? Wir können leicht auf die Anderen schimpfen. Meine Fragen richten sich aber zuallererst an "uns", die Deutschen, die demokratischen Europäer: Haben wir alles demokratisch vorstellbare getan? (Wie) Hat das Arbeitsumfeld dazu beigetragen, ihn zu integrieren? Und im Alltag? Wie reagieren die Postbeamten auf den "anderen"? Wie der gemütliche Beamte beim Finanzamt? Wie, also, reagiert der Einzelne auf den Einzelnen?

Teil zwei des postmodernen Wortspiels: Ein "Gastarbeiter" bleibt "Gastarbeiter". Lebt er seit dreißig Jahren in Deutschland, sehen wir ihn als "ehemaligen Gastarbeiter" oder "Migranten der ersten Generation" an. Unabhängig davon, ob er sich hier zu Hause fühlt oder nicht - die Mehrheit verrät mit solchen Bezeichnungen, dass sie ihm kein zu Hause gewähren möchte.

- Ob ich damit erneut das Thema verfehle? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir hören nach wie vor ausschließlich Politiker- und keine "Bürgerschelte" (nerones grandioses Wort): Giordano fordert heute ein mutiges, offenes, ehrliches, islamisierungstoppendes Bürgerengagement, weil er den Volksvertretern Versagen vorwirft. Es geht aber nicht so weit, dieses in der Vergangenheit mangelnde Bürgerengagement zu kritisieren.

Was mich dabei verwundert, ist die Tatsache, dass Du ihm offenbar zustimmst: Der Bürger trägt nur alle vier Jahre Verantwortung, und zwar bis ins Wahllokal - und keinen Schritt weiter.

- Welches Hindernis spielt für Dich der Sozialstaat? Meinst Du etwa, er sei zu großzügig? Darüber können wir diskutieren; mein Gedanke sollte allerdings (einmal mehr) hervorheben, dass es immer wieder der Staat und unsere Vertreter sind, die eingespannt werden, sobald es um die Koordinierung von Integrationsplänen geht. Die Mehrheitsgesellschaft, d.h. die Bürger, fühlen sich weniger, sogar selten angesprochen. Sie wollen persönlich gesellschaftliche Teilhabe, wenn es ihnen passt, weigern sich aber, den Pflichtteil ihrer Rechte wahrzunehmen - der wird delegiert. Meine konsequente Frage: Haben wir auf Bundesebene, auf deutscher Ebene also, nur alle vier Jahre Öffentlichkeit, nur alle vier Jahre einen Tag lang Demokratie? Deine Antwort lautet ja. Meine Reaktion darauf lautet: Dann brauchen wir von Demokratie nicht mehr reden.

- Und wie verteidigt man Demokratie in der Tradition der Aufklärung, wie Du schreibst? Der Westen ist häßlich, nicht aufgeklärt. Schon grundsätzlich gesehen ist man meines Erachtens nach nicht aufgeklärt. Man muss es immer wieder werden. Die Aufklärung ist kein Geisteszustand, mit dem man als Menschenkind des 21. Jahrhunderts geboren wird. Aufklärung ist eine europäische Denkart, eine Rationalität, eine Weltdeutung, der sich das Individuum, und allein das Individuum, annehmen kann. Keine Gesellschaft ist aus sich heraus aufgeklärt. Es gibt einzelne aufgeklärte Denker, aber keine aufgeklärte Gesellschaft. Wie Kant es in seiner Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? formuliert:

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."
Rechtfertigt das unseren Verstandesgebrauch alle vier Jahre? Ausdrücklich will ich daher auch den nachfolgenden, zweiten Absatz zitieren:
"Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w.: so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen."
Dies alles auf den Punkt gebracht, bedeutet, wie wir von Lennart Mari lernen: "Der Staat ersteht nur einmal, die Freiheit jedoch musst Du jeden Tag erkämpfen."

Deswegen die Pflicht zur Verantwortung des Einzelnen, deswegen der fortwährende Dialog. Natürlich kann ich in der Folge schwer einfordern, dass Du Dich mit jedem muslimischen Busfahrer und jedem muslimischen Gelehrten austauschst. Was ich Dir aber abverlangen dürfte, ist Deine eigene, persönliche, mündige Auseinandersetzung mit dem, was zur Verhandlung aussteht - in diesem Falle also die Frage, ob in Deutschland lebende Menschen muslimischen Hintergrunds integrationsfähig und -willig sind, oder ob ihnen ihre vermeintliche Andersartigkeit lediglich unterstellt wird - von Angesicht zu Angesicht. Du als ein kritischer Mitdenker, der weiß, das vieles von dem, was in den Massenmedien kursiert, auf verkürzten Darstellungen aufbaut, solltest Dich in dieser Debatte selbst von der Tiefe und Richtigkeit der Für- und Gegenargumente überzeugen wollen. Gerade weil Du um die Qualität der Berichterstattung weißt. Gerade weil Du um die deutsche Geschichte weißt. Denn das "letzte Mal" haben die Deutschen ihre Verantwortung ebenfalls delegieren wollen; im Nachhinein will keiner Bescheid gewusst haben über Ausschwitz, Sachsenhausen und die schätzungsweise sechs Millionen Menschen, die - ebenfalls aufgrund Ihrer kulturellen Herkunft und Religion - als nicht integrationsfähig und -willig galten. Aufklärung also als Denken im Andenken an die Vergangenheit. Die Prozesshaftigkeit dieses Denkens unterstreichen Adorno und Horkheimer im Titel ihrer "Dialektik der Aufklärung". Aufgeklärt sein zu wollen, so be-deute ich es, heißt: sich niemals ausruhen zu dürfen auf den Einsichten und Erkenntnissen von Gestern - denn es bleibt die Möglichkeit, dass die Aufklärer von heute Kants potentielle "Seelsorger", sprich: Vormunde von Morgen sind. Für das enge Verwandtschaftsverhältnis on Aufklärung und Demokratie folgere ich daraus: Auch Demokratie ist situativ, nicht ererbt. Sie muss immer wieder, tagtäglich, geboren, erneuert, gefestigt und verteidigt werden. Als Möglichkeit ist sie sicherlich ererbt, das will ich gelten lassen; ein Freiraum zur Demokratie ist uns gegeben. Aber er muss gefüllt sein - mit unseren Stimmen. Mit unserem Dialog. Demokratie ist kein System, sie ist ein Ort: Ein "dritter Ort" zwischen Menschen.

Revolte gegen die Moderne - Sendereihe des D-Radio

In der Ankündigung heißt es:

Die Gesprächsreihe "Revolte gegen die Moderne" setzt einen Kontrapunkt, der die historischen und gesellschaftspolitischen Dimensionen des zugrundeliegenden Nord-Südkonflikts und die Bemühungen um eine Erneuerung der Demokratie unter den Bedingungen der globalisierten Welt ins rechte Licht zu rücken versucht.
Mein Eindruck: Einmal mehr typisch postmodern. Viele "freundschaftliche" Ideen, wenig Handlungsansätze - Utopien ganz unpolitisch. Aber hört selbst.

"Barbarischer Westen" - Außenansichten der Moderne
Folge Eins

Wurzeln des Terrors
Der renommierter Politikwissenschaftler und Anthropologe, Mahmood Mamdani, schreibt über religiösen Fundamentalismus und seine politischen Auswirkungen. In seinem Buch "Guter Moslem, böser Moslem" verwirft er die These von den "guten" (säkularisierten, westlichen) und den "bösen" (vormodernen, fanatischen) Muslimen. Sein Apell lautet, rasch die islamophobische Sicht der Welt abzulegen, denn sie verstellt den Blick auf die wirklichen Probleme.
Folge Zwei

"Multikulti" am Ende
Für von Barloewen ist die homogene, globalisierte Welt vorerst nur eine Oberfläche, unter der die Kulturunterschiede der verschiedenen Gesellschaft fortbestehen. Lateinamerika beispielsweise habe eine stark metaphysisch, aufs Jenseits ausgerichtete Kulturtradition, die mit dafür verantwortlich sei, dass sich der Kontinent mit dem wirtschaftlichen Fortschritt so schwer tut. Japan dagegen verdanke seinen wirtschaftlichen Erfolg einer in ihren Wurzeln pragmatischen Kultur.
Folge Drei

Weltgesellschaft ohne Alternative
Detlev Claussen ist Publizist und Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover. Zwischen 1966 und 1971 studierte er bei Horkheimer und Adorno, Habermas und Negt in Frankfurt am Main und gehört zu den Gesellschaftswissenschaftlern, die sich bis heute der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule verpflichtet fühlen.
Folge Vier

Markus J. Prutsch
Folge Fünf 

Basisdemokratie via you-tube?

Ist das vielleicht ein erster Schritt in eine richtige Richtung? Gewährt man dem Demos mehr Verantwortung, mehr "Kratie", wenn es via Videobotschaft ins Wahlkampfstudio durchdringen kann? Ein ernstzunehmender Versuch? Kleiner Gewinn oder reine Farce? Bei turi2 kommentiert man das Projekt zwar als Vorschau auf "Demokratie 2.0", aber ohne einen Blick in die eigentliche Sendung darf man sich eigentlich kein ernsthaftes Urteil erlauben: Wer mit CNN vertraut ist, weiß um die Tiefgründigkeit des Programms. Dazu kommt die mit Sicherheit auf das Programm (sowohl von CNN als auch der Demokraten) zugeschnittene Auswahl der Videobotschaften.
Aber, wie angemahnt: keine Überstürzung. Ich will sehen, ob youtube Einblicke in Sendung und Einsendungen (auch im derrida'schen Sinne) gewährt. Meine Vorahnung aber: Für mich ist dieses Projekt einmal mehr Anzeichen und Beweis dafür, dass Demokratie und Nationalstaat unvereinbar sind. Zu groß sind die Distanzen, zu vage die Bezüge zwischen Wähler und Politiker, Demokrat und Kandidat. Um Michaels Begriff aufzugreifen: Der Aktionsradius demokratischer Selbstorganisation ist viel kleiner als ntowendige Bewegungsraum, den ein Nationalstaat in Anspruch nimmt. Dialoge lassen sich nur mit einer begrenzten Zahl an Stimmen führen. Mehr dazu aber bald ...

Mehr Realismus in die Utopie

In der Tat, lieber Michael: Politik dem Einzelnen und seiner Verantwortung. Meine Stimme hast Du; das utopische Programm, für das Du Derrida zitierst, steht dem meinen gar nicht so entfernt. Im Folgenden ein Essay, den ich für eine studentischen Konferenz zusammengesponnen habe. Er erinnert mich immer wieder daran, dass Utopien wenig nützen - und seien sie auch noch so freundschaftlich gedacht - solange sie es versäumen, ihren Zukunftswert zu beweisen. Mit anderen Worten: Jede Utopie, will sie ihr Gehörtwerden unterstreichen, muss mir nicht nur das "was?", sondern zugleich auch das "wie?" beantworten - sie muss "politisch" sein. Was ich genauer darunter verstehe, will ich Dir demnächst gern erläutern; für heute: der angekündigte Essay.

Auf bald _ W



Postcolonial Immigration – Shaping the “Western World”?


How can we openly and critically discuss the impact(s) of immigration on the so-called “Western World” without taking into account the consequences of the process we call “globalisation”? We can’t, and yet, often we do. The majority of the “Western World”’s attempts to deal with immigration fall short due to a distorted sense of perception that will leave us ignoring global challenges until the very moment we are inevitably confronted with them. Frequently, the “western” public engages in discussions on the chances, scopes and limits of integration and assimilation; the necessity of reworking immigration policies; the carving out and relevance of individual national Leitkulturen. [1] However, such political frameworks remain too narrow and all too easily allow us to focus on a development – immigration – which at the same time in fact is a constituent and consequence of a much larger shift in global set-up: I refer, of course, to globalisation (Let me provocatively ask: Were it not for the questions (and self-questioning) that current issues and debates on immigration raise, could one not presume that globalisation takes place only on the “peripheries”?).
There are cardinal questions, then, that need to be addressed: How can we come to understand the fundamental transformations we are currently witnessing? How can we as already “democratised” and “globalised” societies deal with the challenges which global immigration brings with it? Are we ready to respect the “other”; are we ready to fully embrace the ideals we so often consider universal, epitomised in the revolutionary call for “liberty, equality, fraternity”?
Our answers to these questions will undoubtedly inform the perspective from which we approach one of globalisation’s most inherent challenges: How to interpret the undeniable reality of global inequality which, since Marx, economists have modelled into the euphemistic concept of “uneven development”. For is it not this radical “unevenness” that accounts for the vast stream of global migration towards the “West”?
In dealing with this question, scholars have taken up positions on both sides of the issue. Dependency theorists constitute one camp which argues

not so much for a rational or planned disparity of wealth growing out of colonialism […] as for a logic within capitalism that wishes to block development in specified areas of the world. […] One region, rather than another, is permanently subject to robbery, rapacious investment, and structurally unequal terms of trade. These regions, as a direct legacy of colonialism, are ruled by a lumpen bourgeoisie, a comprador class that makes its living in the interstices of multinational capital, cutting lucrative deals for its inner circles while ignoring development as such. [2]

Opposed to this point view are those who consider globalisation a force so revolutionary that it will eventually succeed the present-day political order and replace the nation-state. Departing from the idea that capital currently already flows “nationlessly”, “acting on behalf of its own interests and profits rather than those of a given state and for that reason […] becoming harder to define or oppose than its predecessor” [3], Michael Hardt and Antonio Negri’s Empire in fact insists that “[n]othing can be outside the global flows of capital and Empire.” [4] Consequently, if there is no possibility of being ‘outside of Empire’, everyone/thing can only be inside, i.e. one, unified. According to Hardt and Negri’s prophecy, then, globalisation is to be reckoned with as a force so irresistible that it will eventually level all differences, reproducing nothing else except itself.
Holding up theory to past practice, the “West” seems to have favoured the former model, supporting an “uneven” globalisation process with its ceaselessly double-tongued declarations: We officially advocate democracy, but secretly “engineer” soon-to-be liberal governments [5]; officially advertise policies of free trade abroad (as did the American Ambassador in the opening session of our forum, when he pleaded for countries such as China and India to broaden access to their markets) while reinforcing a protectionist hand in the “West” [6]; insist on cultural autonomy but then attempt to influence “developing countries” through mechanisms of “soft power” [7].
Keeping these “concomitant effects” of “globalisation” in mind, opinions such as those voiced by Tom Friedman, Foreign Affairs columnist at The New York Times, seem only too cynical:

I always say, in this globalization system there is just one road; […] and it’s the road, I believe, of free markets, of liberalized markets, and liberalized politics. But there are many speeds […]. There’s one road, and there’s many speeds. But promise me you just won’t do one thing – not go down the road at all. If you do that, I promise you, you’ll bring nothing but ruin and devastation to your people. [8]

According to Friedman’s perception of globalisation, History – and I deliberately spell it with a capital H – is already inevitably and unalterably laid out before us; all we have to do is follow the road globalisation has finely paved out. What is intriguing about his point of view is that it preaches economic assimilation while in the same instant it unconsciously implies the idea of cultural assimilation: One road, no intersections, no side streets. One of the ultimate, but of course unintended mirrors of these calls are global development rankings such as the Bertelsmann Transformation Index (BTI) which “measure” the “development” and “transformation” of non-“western” nations according to “western” criteria. [9]
It remains, of course, easier to critique the current wave of development than to offer valid analyses and starting-points that will motivate and enable an active reshaping of configurations. So, what have I to add to the plea that “[g]lobalization, to benefit everyone, must shed the idea that its purpose is to mold weaker countries’ cultures in the image of stronger ones” [10]? In order to formulate my thesis, let me return to the paper’s title – Postcolonial Immigration – Shaping the “Western World”?. I intend to make aware of two separate sets of questions here: 1) The forum’s title Immigration – Shaping the Western World leaves open who is currently shaping, or about to shape, the Western World. Is it us? Or is it the continuously growing flow of immigrants? Are we still in control, still in “power”, or are we about to be “overpowered”? These puns, superficial as they may be, serve well to reveal the struggle involved in current debates on immigration in Europe and the United States: namely, that we are not prepared – in the double sense of the word – to open up to those “others” who will in the future continue to arrive knocking at our door. 2) At the same time, while acknowledging “western” socienties’ reluctance to open up, I refer to global immigration as “postcolonial”. I wish to take a (what some would call moral) stand on the topic by contextualising current migration trends within and as a consequence of the history of colonialism. Despite the formal collapse of European empires, or even: because of the formal collapse of European empires, do we not have the undeferrable duty, responsibility and engagement to invite to participate in the wealth we have been able to enjoy those to whom we have neglected this very wealth? Are we, as “globalised” nations, at the same time entitled to limit the distribution of wealth while profiting from its disparate production?
Seeing that I am already proposing radical and messianic measures: Why not begin by aspiring to transform the global social sphere into a truly democratic space – with roads to follow, surely, but also rules to safeguard that no-one is harmed. As Hugh Silverman puts it – and please forgive me for quoting him in the German translation: „[R]echte Freundschaften legen die Räume fest, in denen die einzige Art, Freunde zu sein, diejenige ist, nur Freunde zu sein, Freundschaften, in denen die Differenzen zwischen Personen in Freundschaft eine Sa-che von Gerechtigkeit sind.” [11]



[1] Compare, for instance, http://yaleglobal.yale.edu/display.article?id=4790 and http://yaleglobal.yale.edu/display.article?id=7392.
[2] Timothy Brennan, “The Image-Function of the Periphery”, in: Ania Loomba et. al. (eds.), Postcolonial Studies and Beyond, Duke University Press (Durham, London) 2005, pp. 101-122, here p. 109.
[3] Vilashini Cooppan, “The Ruins of Empire: The National and Global Politics of America’s Return to Rome”, in: Postcolonial Studies and Beyond, pp. 80-100, here p. 85.
[4] Michael Hardt and Antonio Negri, Empire, Harvard University Press 2001, p. 43. For introductory reading consider the London Review of Books: Michael Bull, “You can't build a new society with a Stanley knife”, October 4th, 2001, http://www.lrb.co.uk/v23/n19/bull01_.html.
[5] “If you believe the White House, Iraq’s future government is being designed in Iraq. If you believe the Iraqi people, it is being designed at the White House. Technically, neither is true: Iraq’s future government is being engineered in an anonymous research park in suburban North Carolina.” Naomi Klein, “Hold Bush to His Lie”, posted February 6th, 2004, on www.nologo.org. Similar degrees of western “influence” are obvious, for instance, in Sudan and Tschad.
[6] “[O]ur aid policies are not coherent with the rest of the [foreign] policy agenda. In regard to trade and aid we give out with one hand, and we take back with the other. The agricultural policies prevent access for poor farmers to our markets. But even more problematic is, of course, that export subsidies for the surplus food produced by European farmers are being flooded into the markets of the poor.” Anders Wijkman, “Rethink Development cooperation”, address at the meeting of the Eko-social Forum in Vienna, October 15th, 2004, www.globalmarshallplan.org. Wijkman is a member of the European Parliament. See also José Antonio Ocampo, “Globalization, Development and Democracy”, in: Items and Issues, Vol. 5, No. 3, Social Science Research Council, 2005, pp. 11-20, here p. 11: “[V]arious goods of special interest to the developing countries are subject to the highest levels of protection, and in the case of agriculture, to subsidies in the industrialized countries.”
[7] “In recent years, a number of American thinkers, led by Joseph S. Nye Jr. of Harvard, have argued that the United States should rely more on what he calls its ‘soft power’ — the […] appeal of its ideas, its culture and its way of life — and so rely less on the ‘hard power’ of its stealth bombers and aircraft carriers.” Josef Joffe, “The Perils of Soft Power”, in: The New York Times, May 14th, 2006, http://www.nytimes.com/2006/05/14/magazine/14wwln_lede.html.
[8] “Terrorism May Have Put Sand in its Gears, but Globalization Won’t Stop.” Tom Friedman, interviewed by Nayan Chanda, YaleGlobal, February 3rd, 2003, http://yaleglobal.yale.edu/display.article?id=870.
[9] http://www.bertelsmann-transformation-index.de/11.0.html?&L=1.
[10] “Globalization and Culture”, Address by Queen Noor of Jordan at the 50th Anniversary Symposium of The Aspen Institute, August 22, 2000 – Aspen, CO, http://yaleglobal.yale.edu/about/academicpapers.jsp.
[11] Hugh J. Silverman, “Rechte Freunde: Die Ethik der (postmodernen) Beziehungen”, in: Erik M. Vogt et. al. (eds.), Derrida und die Politiken der Freundschaft, translated and with an introduction by Erik M. Vogt, Turia + Kant (Vienna) 2003, pp. 19-42, here: p. 21.