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Toleranz in Grenzen

Furchtbar vage, das, aber vielleicht kommt der Stein ins Rollen:
Ich verweigere mich inzwischen dem Versuch, der Kolonialismus und Imperialismus als „Schattenseiten“ der sich aufklärenden Moderne verstehen will. Anstelle einer Apologie: Sind sie nicht im Gegenteil diskursive Parallele, ergänzend und selbstverständlich, zum Kontrollimpuls über Natur und Globus? Denn rationalistischer Aufklärung und brutaler Fremddominanz gemeinsam ist die Sicht auf das Fremde / Unbekannte, das im weitesten Sinne assimiliert, d.h. erkannt, benannt, entzaubert zu werden verlangt.

Die Fortführung im heutigen Abwehrdenken gegenüber globaler Migration zeigt das überdeutlich, freilich in anderer Form und unter anderer Instanz. Wenige Gesten kristallisieren unsere Kälte so klar wie die Aufforderung zu mehr „Toleranz“ gegenüber „Ausländern“. Die linke Kritik an der kulturellen Berührungsscheue der Konservativen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ihr vorbehaltloses, offenes, interessiertes und verständniswilliges Entgegenkommen nur vermeintlich und bei Weitem herzlicher formuliert ist als es ausgelegt werden kann: Warum „kultivieren“ wir sonst unsere Rede von der „Toleranzgrenze“?